Dagmar R. Rehberg  - wortgeflechte
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Neuerscheinung

Down Under - drunter und drüber 

 

Endlich kann er sich seinen großen Traum erfüllen: ein Leben in Australien. Doch der Preis dafür ist hoch. Denn in Deutschland lässt Bastian nicht nur seine Familie und die Freunde zurück, sondern auch seine große Liebe. Kann er es unter so schwierigen Bedingungen schaffen, wirklich Fuß zu fassen und ein neues Leben zu beginnen? Tatsächlich fällt es ihm sehr schwer. Bis plötzlich ein unerwartetes Ereignis alles verändert ...

"Down under" knüpft an den Roman "Kuckuck - Leben mit der Lüge" an, ist aber dennoch ein vollkommen eigenständiger Roman.

 

 

 

 

Down Under - drunter und drüber:

 

 

Erscheinungstermin: November 2014
412 Seiten
Preis: 11,80 Euro
ISBN: 978-1503163423


auch als Ebook im Kindle-Shop für Kindle und Ipad

zum Preis von 2,99 €

 

Leseprobe:

Bewegungslos starrte er aus dem Fenster, ohne auch nur irgendetwas zu sehen. Er nahm weder die Wiesen und Felder wahr, die unter ihm entlang zogen, noch die Flüsse und Seen. Sah nicht das Farbenspiel, nicht die luftigen Wolken, die an den Tragflächen des Flugzeugs vorüberzogen. Während des Fluges von Hamburg nach London hatte er sich in seinem Sitz verkrochen, die Augen mit einer Hand abgeschirmt und so getan, als schliefe er. Er wollte nicht, dass jemand die Tränen sah, die unablässig aus ihm herausströmten. Wenn nur der Schmerz ihn verlassen könnte wie die Tränen. Doch er blieb. Wann, so fragte er sich, würde er nachlassen, vielleicht sogar aufhören? Bastian wusste, eigentlich sollte er sich darauf einstellen, was in den nächsten Tagen auf ihn zukommen würde. Zwar war er gut vorbereitet, trotzdem war es eine Reise ins Ungewisse. Doch seine Gedanken waren bei ihr. Er sah ihr Gesicht vor sich, tränenverschmiert und mit dem Ausdruck unendlichen Leides. Er dachte daran, wie er sie zum ersten Mal gesehen hatte, vor fast einem Jahr. Damals auf dem Boot. Er war mit den Jungs dort gewesen, und Heiko, sein bester Freund, hatte ein paar junge Frauen aus seiner Clique mitgebracht. Auch sie – Laura. Niemals hatte er eine Frau wie sie gesehen, so unbeschreiblich schön war sie. Ihre rehbraunen Augen waren von langen, dichten, dunklen Wimpern umrahmt. Die Nase war schmal, ihre Lippen voll, jedoch nicht zu sehr, und an ihrem Kinn war die leichte Andeutung eines Grübchens zu erkennen gewesen. Ihre hohen Wangenknochen und die schmale Gesichtsform hatten ihr beinahe schon einen aristokratischen Ausdruck verliehen. Ihre Figur war wie aus Marmor gemeißelt, der Traum eines jeden Mannes, und ihre Maße hätte jedes Topmodel neidisch gemacht. Und sie hatte es gewusst – zumindest ihrer Kleidung nach zu urteilen. Wieso sonst hatte sie diese unbeschreiblich aufregenden Hotpants und das atemberaubende, eng anliegende T-Shirt getragen, ohne – und das hatte er auf den ersten Blick erkannt – BH darunter. Später hatte er dann seine Annahme eigenhändig überprüft, und vieles mehr. Das Schönste an ihr jedoch war ihr Haar gewesen. Es war voll und dunkelbraun mit einem leicht rötlichen Schimmer, wenn die Sonne darauf schien, und fiel ihr schwer und glatt über den Rücken bis zum Po. Er war so froh gewesen, dass sie es nicht der aktuellen Mode geopfert hatte. Bastian erinnerte sich deutlich an den ersten Gedanken, der ihm bei Lauras Anblick durch den Kopf geschossen war. Niemals hatte er einen Gedanken in diese Richtung verschwendet, doch in diesem Moment hatte er gedacht:

»Wow, so also sieht meine zukünftige Frau aus.«

Doch dazu war es nicht mehr gekommen. Bevor er die Chance gehabt hatte, ihr den geplanten Antrag zu machen, war der Brief gekommen.

»Wir freuen uns, Ihnen eine Stelle als Englisch-, Deutsch- und Sportlehrer an unserer Schule anbieten zu können«, hatte es dort geheißen. Dieser Brief, auf den er so lange gewartet hatte – bevor er Laura begegnet war – hatte alles verändert. Der Brief aus Melbourne.

Bastian spürte, wie ihm erneut die Tränen über die Wangen liefen, doch dieses Mal versteckte er sie nicht. Es kümmerte ihn nicht mehr, was die anderen Fluggäste über den großen, breitschultrigen Mann dachten, der heulte wie ein kleines Kind. Er würde sie alle nie wiedersehen, warum also sollte er sich Gedanken machen, was die Leute von ihm hielten? Noch nie in seinem Leben hatte Bastian sich so einsam gefühlt. Er begann ein neues Leben, das Leben, von dem er jahrelang geträumt hatte. Doch nun sah es beinahe aus, als würde es sich zum Albtraum entwickeln. Schlimm genug, Familie und Freunde zurückzulassen. Doch die große Liebe?

Dagmar R. Rehberg